Offener Brief des SPD Ortsvereins Lemwerder zur Diskussion „Schließung der Oberschule Lemwerder“

Landrat Th. Brüggemann; Verwaltung Landkreis Wesermarsch H. Kemmeries
Kreistagtag Wesermarsch

Zur Kenntnis:
Bürgermeisterin Lemwerder R. Neuke; Gemeinderat Lemwerder
Bürgermeister Berne H. Schierenstedt; Gemeinderat Berne
SPD Geschäftsstelle Delemenhorst; UB Wesermarsch; OV Lemwerder, OV Berne
Landtagsabgeordnete K. Logemann; B. Thümmler; H. Kortlang
Schulleiter Eschhofschule A. Diercks; Gymnasium Lemwerder A. Warnken
Regionale Presse

 

Offener Brief des SPD Ortsvereins Lemwerder zur Diskussion „Schließung der Oberschule Lemwerder“

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe BürgervertreterInnen

Die für die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde Lemwerder völlig überraschende Diskussion und erfolgte Vorentscheidung durch den „Arbeitskreis Schule“ des Landkreises Wesermarsch über die Schließung der Oberschule (Eschhofschule) Lemwerder führt, neben Besorgnis, Empörung und Verständnislosigkeit  – sowohl in der gesamten Bevölkerung als auch in den Wirtschaftsunternehmen unserer Gemeinde – zu Fragen zu der Datenbasis, den angewandten Prognosemodellen und deren Validität, aber auch zu der Behandlung und Wertung von Alternativlösungen zum möglichen Erhalt des Oberschulstandortes innerhalb des Arbeitskreises.

Aus direkten Gesprächen mit Teilnehmern des Arbeitskreises mussten wir zu der Erkenntnis gelangen, dass der Arbeitskreis die Validität der vorgelegten Zahlen nicht ausreichend geprüft zu haben scheint, und wohl auch Alternativszenarien – womöglich leichtfertig – als unpraktikabel abgetan oder schlicht ausgeblendet wurden.

Die unverständlicherweise viel zu späte Benachrichtigung der in Lemwerder betroffenen Gremien und Interessengemeinschaften mittels einer wohl auf den externen Druck zurückzuführenden eiligen Presseerklärung seitens des Landkreises bietet hierzu leider auch nicht die nötige Transparenz und Informationsbasis.

Nachdem die Verwaltung bzw. die Bürgermeisterin Lemwerders nun eigene Berechnungen erstellt und Ihnen vorgelegt hat, erfolgte wenigstens die Streichung der Vorlagenentscheidung von der anstehenden Sitzung des zuständigen Ausschusses, nicht zuletzt, um den Betroffenen die Möglichkeit von Stellungnahmen einzuräumen, was anderenfalls – aufgrund der ursprünglich völlig unzumutbaren Fristsetzung – gar nicht möglich gewesen wäre.

Wir, der SPD Ortsverein Lemwerder, erwarten von den politisch Verantwortlichen im Kreistag und von der zuständigen Schulbehörde für Landkreises Wesermarsch, dass die verschiedenen Eingaben und Stellungnahmen der Gemeindeverwaltung und der Interessenvertreter der Eschhofschule Lemwerder mit dem erforderlichen Engagement und nötigen Kreativität behandelt und in die spätere Entscheidung einbezogen werden.

In diesem Zusammenhang fordern wir Sie hiermit im Sinne des Transparenzgrundsatzes auf, zu folgenden Punkten öffentlich Stellung zu nehmen:

  1. Welche Recherchen und Daten sowie Rechenverfahren lagen der Zahlenbasis und Prognoserechnung zur Entwicklung der Schülerzahlen zu Grunde?
  2. Wie flossen übliche Fluktuationen zwischen Gymnasium und Oberschule in die Prognose ein?
    Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Eltern mittlerweile verstärkt dazu neigen, ihre Kinder zunächst am Gymnasium anzumelden und im gesamten Verlauf der Jahrgänge 5 bis 8 Ummeldungen in Richtung Oberschule zu erwarten sind.
  3. Welche Alternativmodelle zum Erhalt des Schulstandortes Lemwerder für alle Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 wurden im Arbeitskreis geprüft und sind aus welchen Gründen nicht zum Tragen gekommen?
  4. Wurde den immer stärker in den Fokus rückenden Herausforderungen der Inklusion und Integration bei der Entscheidung über eine Schulschließung in angemessener Weise Rechnung getragen?

Darüber hinaus erwarten wir Ihre Stellungnahme zu folgenden alternativen Lösungsansätzen:

– Erhalt beider Oberschulen in Berne und Lemwerder durch ein Kooperationsmodell
– Bildung einer integrierten Gesamtschule aus Gymnasium und Oberschule Lemwerder oder
– Bildung einer Oberschule mit gymnasialem Zweig
– Übernahme der Trägerschaft für die Oberschule (u.U. auch für das Gymnasium) durch die Gemeinde Lemwerder
Dieses Model ist in Niedersachsen nicht unüblich (siehe Oldenburg)
– Öffnung der Oberschule Lemwerder für Schüler aus dem benachbarten Bremen-Nord.
Auch dieses Model wird bereits in Niedersachsen praktiziert.

Wir halten die Schließung einer Oberschule in einer Gemeinde, wie Lemwerder oder Berne, für einen folgenschweren, negativen Eingriff in die Infrastruktur und Entwicklung der jeweiligen Gemeinde, aber insbesondere für eine nachhaltige Benachteiligung der betroffenen Schüler und Schülerinnen, die erhebliche Zeiten des Schultages in Bussen verbringen, noch ganz abgesehen von Umweltaspekten.

Die örtlichen Wirtschaftsunternehmen ziehen einen nicht zu vernachlässigen Nutzen aus einem unmittelbaren Schulstandort. So gibt es in Lemwerder seit Jahren eine sehr erfolgreiche Kooperation zwischen der Eschhofschule und dem Werftunternehmen „A&R“, die mit Schließung der Schule nicht aufrecht zu erhalten wäre, was wiederum auch einen schmerzlichen Verlust für die Schule und die Schüler und Schülerinnen bedeuten würde.
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Werft haben sich infolge dessen demonstrativ an der jüngsten Protestaktion der Bürger und Bürgerinnen in Lemwerder angeschlossen.

In unsere Betrachtung beziehen wir selbstverständlich die Frage nach der Gewährleistung der üblichen Qualitätsstandards und einer angemessenen Unterrichts- und Lehrerversorgung am zu erhaltenen Schulstandort mit ein. Womöglich sind hierfür kreative Lösungen erforderlich.
Doch bevor eine Schule geschlossen wird, deren spätere Wiedereröffnung im Bedarfsfall praktisch unmöglich scheint, sollten die Prognosen der Schülerzahlen sorgfältig und valide ermittelt  und – sofern erforderlich – alle Alternativen kreativ und ergebnisoffen in eine finale Entscheidung einbezogen werden.

Das schulden wir unseren Kindern.

SPD Ortsverein Lemwerder
Für den Vorstand
gez. Günter Naujoks       gez. Wolfgang Gestwa